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Petras Erlebnisse beim Kampf um den Container Teil 3



Am nächsten Morgen erwachte ich wie gerädert aus einem unruhigen Schlaf. Alles hatte mich Kraft gekostet und meine Hoffnungen den Container schnell heraus zu bekommen waren am Boden zerschellt. Die Mühlen hier mahlen langsam und keiner konnte sagen, wie es nun weitergehen sollte. Als erstes musste ich den Chef von Garcia aufsuchen , um zu bestätigen, dass er sich wirklich mit mir in Santo Domingo aufgehalten hatte. So gegen 10.00 Uhr vormittags erhielt ich auch prompt den Anruf von Alex, dass ich in die Klinik kommen sollte.

Ich machte mich auf den Weg, um dem Armen aus seiner Zwickmühle zu helfen, in die er schließlich wegen mir geraten war! Das Gespräch war kurz und schmerzlos. Irgendwie schien mir sein Chef peinlich berührt, dass er seinem Arzt auf diese Weise sein Misstrauen präsentierte. Nachdem ich dann versprach dass auch die Klinik notwendige Dinge erhalten sollte , war alles kein Problem mehr.  Danach mussten wir dann noch zur Base, um das weitere Vorgehen mit dem General zu besprechen. Ich fühlte mich sehr unwohl, dass ich für ein solches Durcheinander gesorgt hatte und die Hilfsbereitschaft des Generals über Gebühr strapazieren musste. Aber es half nichts, auch dieser Situation musste ich mich stellen, denn es sollte ja weitergehen.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ab und an schon den Gedanken hatte den Container einfach stehen zu lassen. Wenn sie halt nicht wollen, dass wir helfen, dann sollen sie es doch lassen.Eine gewisse Wut machte sich breit. Dann wieder der Gedanke an die Menschen, die doch unsere Hilfe brauchen und nicht für den ganzen Behördenapparat verantwortlich sind. Und auch nicht für die Summen die wir zahlen müssen.

Wie einfach könnte es doch sein, wenn einem der Behördenkrempel nicht so viele Schwierigkeiten machen würde. Hintergrund ist sicherlich auch, dass viele UNHOLDE ihre Container als Spendengüter deklariert hatten und dann ein Riesengeschäft damit gemachthaben. Insofern habe ich Verständnis für die Vorsicht. Aber gut, die Sache lief und musste zu Ende gebracht werden.

Der General erwartet uns schon. Wir besprachen die Angelegenheit im ganzen Umfang, und wie wir weiter vorgehen sollten. Er versprach mir, dass gewünschte Papier nach Santo Domingo zu schicken ,unter einer Bedingung. Er hatte sich wohl mit seinen Vorgesetzten in Verbindung gesetzt und bekam zur Auflage gemacht, dass alle Rechte auf den Inhalt des Containers auf die Base übertragen werden mussten, sowohl als Empfänger des Containers, sowie als Nutznießer des Inhalts. Mein Gesicht hing am Boden. Ich konnte verstehen, dass dieser Schritt offensichtlich notwendig war, um überhaupt eine Chance zu haben, aber alle Rechte abtreten?  Ich war der Verzweiflung nahe!!Dass musste ich erst mit Barbara und Jürgen besprechen.

Ich fragte den General, welche Konsequenzen denn diese Aktion für uns haben würde, ob wir nicht über den Inhalt des Containers verfügen könnten. Schließlich brauchten wir die Sachen für viele Menschen, die schon lange darauf warten und die ich immer wieder vertrösten musste. Er sagte mir zu, dass ich natürlich die gebrauchten Dinge erhalten würde und er darin kein Problem sehe. Es sei eine rein formelle Angelegenheit. Daraufhin beruhigte ich mich wieder einigermaßen und sah die Sache zuversichtlicher, denn letztendlich ging es nur noch um dieses Papier, was zu schicken war und dann, stand dem Abtransport des Containers nicht mehr im Wege.

Einen Tag später konnte ich den General anrufen, um ihm mitzuteilen, dass wir die Sache wie besprochen abhandeln können. Auch Barbara und Jürgen sahen keine andere Möglichkeit, und somit war denn nun wieder Warten angesagt.

Eine Woche verging, 2 Wochen, dann endlich der Anruf.Donnerstag Abend informierte mich Garcia, dass, wenn es mir recht sei, wir morgen in aller Frühe aufbrechen könnten. Klar, natürlich, ich hatte so lange gewartet und war ganz aufgereg. Barbara und Jürgen informierte ich NICHT. Ich wollte sie überraschen, wenn wir den Container draußen haben. Wir machten uns früh auf den Weg nach Santo Domingo. Gegen 9.00 Uhr vormittags waren wir vor Ort. Der LKW mit den Soldaten war schon in der Nacht aufgebrochen und erwartete uns. Puh, endlich sollte es so weit sein. Nun dauert es sicher nur noch wenige Stunden und wir können unsere Mission erfolgreich abschließen. Im Geiste malte ich mir aus, wie ich hinter dem LKW mit all den Sachen Richtung Sosúa fahren konnte.

Wir wären nicht in der Dominikanischen Republik, wenn alles so gelaufen wäre, wie ich es mir ausgemalt hatte. Unser Läufer informierte uns über den weiteren Weg, den wir noch vor uns hatten. Das hörte sich nicht gut an. Immer noch fehlten einige Papiere, Stempel und Unterschriften, unabhängig von dem Brief, den die Base an die Oberzollstelle geschickt hatte. Nun wurde sich daran gestoßen, dass die Papiere auf den Namen von Garcia ausgestellt waren und warum denn nun die Base der Empfänger sein sollte!!

Wir rollten alle nur noch mit den Augen, und schauten uns fast hilflos an.Gut,alles noch einmal von vorne. Garcia überzeugte mit seiner Gelassenheit. Antonio wiegte sich im Zorn und versuchte dieser Frau, welche sich gerade mit unseren Papieren beschäftigte, klar zu machen, wie das alles zustande gekommen ist. Die wiederum telefonierte dann mit einer Vorgesetzen, wie sie die Sache abhandeln solle. Schließlich konnten wir viel erzählen. Wir mussten uns dann ausweisen und auch mit der Vorgesetzen sprechen. Alles per Telefon zu klären war fast unmöglich, aber die Zeit lief uns unter den Händen weg, und wir wollten doch heute endlich fertig werden. Ein Anruf des Generals an die Vorgesetzte, klärte dann zumindest dieses Problem. Eine Runde weiter  Die ganze Prozedur hatte Stunden gedauert und es war mittlerweile später Nachmittag. Wir rannten von einer Stelle zur Anderen. Antonio immer vorneweg, Garcia und der Läufer in ein anderes Büro, um gleichzeitig mehr schaffen zu können. Die Zeit wurde knapp. Es war Freitag und um 5 Uhr ist FEIERABEND. !Der größte Hammer aber kam noch. Ich hatte doch mit viel Mühe erreicht, dass wir diese 80 US$ nicht zahlen mussten. Gepfiffen. Unsere letzte Anlaufstelle im Behoerdenrun machte uns klar, dass zumindest die Hälfte gezahlt werden sollte. Also wieder Kohle raus, bezahlen und fertig. Daran sollte es nicht scheitern. Antonio regte sich fürchterlich auf, sprach von Betrug und davon, dass es doch ein unmögliches Verhalten sei, uns so auszunehmen. Keiner müsste sich mehr wundern, wenn keine Hilfsgüter mehr geschickt würden. Ich gab ihm recht, aber es half alles nicht. Wir erhielten das notwendige Papier und machten uns im Laufschritt auf den Weg zum Containergelände. Es war stickig heiß. Wir bekamen fast keine Luft mehr. Der Himmel verdunkelte sich und es kam ein Unwetter auf .Verdammt, auch das noch. Wenige Minuten später begann es zu regnen, was das Zeug hält. Natürlich hatte keiner einen Schirm, aber irgendwie war es mir auch egal. Ich wollte nur noch den Container und dann nach Hause.

Mittlerweile war es kurz vor 5 Uhr und wir mussten uns beeilen, noch eine Person zu finden, welche uns den Container nach draußen transportierte, um alles in den LKW umzuladen. Wassermassen sammelten sich zwischenzeitlich auf der Strasse. Ich wurde gebeten, doch im Auto zu bleiben. Meine Soldaten waren echte Gentleman. Ich schaltete meine Scheibenwischer ein, um wenigstens nicht ganz vom Geschehen abgeschnitten zu sein. Fast eine Stunde wartet ich, sah immer wieder Antonio oder Garcia ins Büro flitzen oder mit verschiedenen Personen heftig diskutieren. Wir wurden dann aufgefordert, auf´s Containergelände zu fahren um den Container zu suchen, der sich inzwischen wohl nicht mehr an seinem alten Standort befand. Ergebnis war dann,eine ewig dauernde Suche. Letzte Station war ein abgeschossenes Gelände auf dem sich der Container befinden sollte. Der Wächter schloss uns vor der Nase das Tor und bekundete lautstark, dass er nun Feierabend hätte und heute NICHTS mehr gehen würde. Dass war das AUS für heute!! Was nun ?? Meine Geldbörse war leer,hatte alles mal wieder mehr gekostet, als ich vermuten konnte. Ich hätte heulen können. Aber damit war ich nicht alleine. Allen Beteiligten erging es wohl so, und so blieb uns nichts weiter, als zu beratschlagen, wie wir nun vorgehen sollten.

Morgen früh sei alles kein Problem sagte man mir. Aber ich konnte nicht bleiben. Außerdem war noch die Summe für  die Arbeit des Läufers zu zahlen. Ich hatte ihn schon kräftigt runtergehandelt, aber selbst diese Summe hatte ich einfach nicht mehr.

Antonio erklärte sich bereit, mit seinen Leuten in der Base San Isidro zu übernachten, um sich am nächsten Morgen  wieder um alles zu kümmern, er würde das schon machen.Ich solle mir keine Gedanken machen. Eigentlich hätte er morgen frei, mein Gewissen drückte mich mächtig, aber so wie ich ihn kennen lernen durfte war es eigentlich gar nicht notwendig.  Er war sehr einsatzbereit und nichts war ihm zu viel.Das imponierte mir doch mächtig!!Ich versprach, dass fehlende Geld für den Läufer am nächsten Morgen gleich per Western Union an ihn zu überweisen, damit er keinerlei Schwierigkeiten mehr zu befürchten hat. Ich bat alle, doch wenigstens etwas zusammen essen zu gehen, aber alle waren müde und wollten nur noch eine Dusche und ein Bett. Also gab ich ihnen meine noch wenigen verblieben Pesos und bat sie, sich unterwegs wenigstens etwas zu essen zu besorgen!Danach verabschiedeten wir uns und Garcia und ich machten uns auf den Heimweg. Über den herrschenden Feierhabenverkehr möchte ich mich nicht weiter äußern. Es war der Horror pur !Außerdem regnete es immer wie aus Eimern und so wurde es eine lange und gefährliche Fahrt nach Hause. Schlimme unmarkierte Löcher in der Fahrbahn machten es uns unmöglich zügig vorwärts zu kommen! Wir wollten uns auch die Fahrt über die Berge sparen, und entschieden uns für den Weg über Navarrete. War auch nicht lustig.Zum einen die elende Fernlichtnummer, zum anderen auftauchende Fässer.Eigentlich brennende Markierungen um Baustellen zu kennzeichnen.Sie waren gelöscht durch den Regen und tauchten wie aus dem Nichts in der Dunkelheit auf!!Ich hatte echt Panik. Aber wir kamen dann doch mitten in der Nacht endlich heil an der Base an. Dort ließ ich Garcia zurück, der sich dann ein Taxi zurück nach Puerto Plata nahm. Er wollte mich wenigstens bis kurz vor Zuhause begleiten. Es war wieder weit nach Mitternacht, als ich ankam. Müde, erschöpft und enttäuscht. Mein Partner war noch wach und wollte natürlich wissen, wie es gelaufen sei. Meine Tochter schlief schon, hatte aber einen Zettel geschrieben, ich solle sie auf jeden Fall wecken. Also erzählte ich von unseren Erlebnissen und sprach auch noch kurz mit meiner Tochter, bevor ich endlich so gegen 3 Uhr in der Frühe wie tot ins Bett fiel. Ich stellte mir den Wecker auf 7 Uhr. Um 8 Uhr wollte ich pünktlich auf der Western Union stehen um das Geld zu überweisen.

Wie versprochen konnte ich am nächsten Morgen Antonio die Überweisungsnummer mitteilen, und er bekam vor Ort das Geld ausgezahlt. Den ganzen Tag konnte ich nur hoffen, dass alles glatt gehen würde.Ich hörte nichts bis zum späten Nachmittag. Dann ENDLICH. Der erlösende Anruf. Der LKW mit allen Sachen ist auf der Base angekommen. Ich heulte, und heulte, und war glücklich.

Ich informierte Barbara und Jürgen und jubelte laut durch´s Telefon: Jetzt könnt ihr buchen, die Sachen sind angekommen.Die Freude kann sich keiner vorstellen. Meine Erleichterung auch nicht.

Lange hat es gedauert, viele Nerven hat es gekostet, aber letztendlich war es doch ein Erfolg.

Danken möchte im Besonderen dem General, der mir jede erdenkliche Hilfe gegeben hat, den Soldaten, die oft lange in dem heißen LKW ausharren mussten, ohne zu wissen was abgeht und Dr.Garcia und Antonio die Beide unermüdlich mit mir gekämpft haben. Ohne ihre Hilfe haette ich das niemals geschafft.

Erwähnen möchte ich auch noch die Menschen am Zoll, welche sich in unserem Kampf nicht quer gestellt haben, unterstützend mitgeholfen haben und somit dazu beigetragen haben, dass die Sache etwas schneller vonstatten gehen konnte. Nicht zuletzt auch unserem Läufer, der auf einen guten Teil seines üblichen Lohnes verzichtet hat und somit auch geholfen hat. Seine Zähne werde ich nie vergessen, auch wenn ich diesen Menschen wohl nie mehr sehen werde.

Dank auch an Barbara und Jürgen und die vielen Menschen die gespendet haben, und somit erst möglich gemacht haben, dass ich hier vor Ort helfen kann!

Zum Schluss sei noch gesagt, dass es eine irre Erfahrung für mich war, und ich keinen Tag missen möchte, sei er auch noch so schwer gewesen, denn ich habe viel gelernt und bin auch Menschen nähergekommen, die ich sonst nie kennen gelernt hätte. Es sind Freundschaften entstanden, die mir viel bedeuten und somit hat sich dieses Land auch mehr zu meiner neuen Heimat entwickelt.

Danke auch an alle Leser die sich die Mühe machen, meinen Bericht zu lesen.Ich hoffe, es spornt an, sich auch für Domki einzusetzen, und den Menschen Hilfe zuteil werden zu lassen.

Liebe Gruesse an alle

Petra

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